Schmidt, Gedruckte Bilder...Origins of European Printmaking: Fifteenth-Century Woodcuts and their Public /

Die Anfänge der europäischen Druckgraphik. Holzschnitte des 15. Jahrhunderts und ihr Gebrauch 

Ausstellung in Washington, National Gallery of Art, 4. September – 27. November 2005 und Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, 13. Dezember 2005 – 19. März 2006 (Katalog in englischer und deutscher Sprache erhältlich)


Ziel des Konzepts der Ausstellung, das von Peter Schmidt (Frankfurt), Richard Field (New Haven), David Areford (Chicago), Peter Parshall (Washington) und Rainer Schoch (Nürnberg) in jahrelangen Diskussionen entwickelt wurde, ist die Vermittlung eines neuen Blickes auf die ersten Jahrzehnte der Druckgraphik. Die Anfänge des Holzschnitts, des Metallschnitts und Kupferstichs gehörten vom späten 19. bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts zu den beliebtesten Themen der Kunstwissenschaft. Doch nach dem zweiten Weltkrieg verlor sich das Interesse – den veränderten ästhetischen Vorlieben und methodischen Interessen der Kunstwissenschaft schienen die Produkte dieses Mediums nicht mehr entsprochen zu haben. Doch war es genau die Frage nach der Medialität, die die Anfänge der Druckgraphik in den letzten Jahren wieder in den Blickpunkt der Forschung gerückt hat. Es sind weniger formale Neuerungen, die diese Produkte auszeichnen. Doch mit den neuen Techniken, die in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts erstmals konsequent zur massenhaften Vervielfältigung angewandt werden, tritt die Mediengeschichte des Bildes in eine neue Phase. Ein halbes Jahrhundert vor dem Durchbruch Johannes Gutenbergs beim Drucken von Texten mit beweglichen Lettern werden Bilder mechanisch reproduziert. Um diesen Prozeß zu erhellen, sind vor allem Fragen nach dem konkreten Gebrauch der Drucke zu stellen, nach Spuren von Benutzern, nach der Interaktion mit traditionellen Medien, nach dem Verhältnis von manueller und mechanischer Vervielfältigung. Dies bedeutet harte historische Rekonstruktionsarbeit, da die Kontexte des ursprünglichen Gebrauchs bei Druckgraphiken noch stärker zerstört sind als bei allen anderen mittelalterlichen Bildmedien. Das liegt in der Natur der Sache, ist doch das gedruckte Bild mobiler (räumlich wie sozial), weniger gebunden an feste Orte und Verwendungskontexte als etwa die Malerei oder Skulptur.

Wichtige Forschungsarbeiten haben in den letzten Jahren neues Licht in die frühe Mediengeschichte der Druckgraphik gebracht. Das kühne Ziel der aktuellen Koproduktion der National Gallery of Art in Washington und des Germanischen Nationalmuseums ist es nun, diese neue Sichtweise in einer Ausstellung einem breiten Publikum zu vermitteln. Die Auswahl bedeutender Werke aus den reichen Beständen der beiden Museen, ergänzt durch zahlreiche Leihgaben aus aller Welt, wurde nicht in erster Linie getroffen, um einen Querschnitt durch die faszinierende Welt des frühen Bilddrucks geben, die sich so oft unseren gängigen Vorstellungen vom „Herbst des Mittelalters“ verweigert; wenn sich am Ende doch ein Eindruck von den ersten Generationen der Druckgraphik ergibt, den in dieser Vielfalt der Aspekte bislang noch keine Ausstellung geben konnte, ist das ein willkommener Nebeneffekt. In erster Linie aber sollen die Werke etwas von ihrem ursprünglichen „Sitz im Leben“ preisgeben, Spuren ihres pragmatischen Gebrauchs verraten, Auskunft über neue Strategien des Bildes geben. Das hat zwar zunächst nichts mit einem oberflächlichen ästhetischen Interesse an den Objekten zu tun, doch offenbart sich bei der Betrachtung der gezeigten Werke in ihrer ganz eigenen Ästhetik doch, daß Gebrauch, Medialität und Form in einem untrennbaren Verhältnis stehen.


Zur Ausstellungs-Homepage der National Gallery of Art, Washington

Rezensionen

Zum Amusement wie auch zur Warnung: Besprechung in der Washington Post
(welche Kulturwissenschaft für eine Geschmacksverfehlung hält und so den besten Beweis liefert, wieso diese Ausstellung „full of ugly art“ nötig war)


Zurück zu den Anfängen